Ellenbogengelenkdysplasie
Genau wie HD ist die ED ein Alptraum für jeden Hundebesitzer. Aber was genau ist eigentlich ED?
Hauptsächlich betroffen sind mittelgroße und große Hunderassen. Leider bleiben auch unsere Labradors nicht immer davon verschont. Es gibt im Ellenbogengelenk vier verschiedene Missbildungen, die wie folgt bezeichnet werden:
• OCD
Osteo Chondrose Dissecans des medialen Abschnitts der Trochlea Humeri,
Osteochondrose am Humers Kopf, vereinfacht: Knochen-Knorpel-Erkrankungen.
Es kann während der Wachstumsphase dazu kommen, dass Knorpel nicht verknöchert. Diese Stellen bleiben dick und empfindlich. Der Knorpel kann sich dann von der Unterschicht des Gelenks in Teilen oder sogar ganz ablösen. Er liegt dann lose im Gelenk. Der Knorpel der darunter liegt, verwächst leider nicht wieder mit dem abgerissenen Stück und füllt auch die entstandene Lücke nicht wieder auf. Dadurch entsteht im Gelenk Verschleiß.
Bei dieser Erkrankung ist es erwiesen, dass eine zu reichhaltige Fütterung (Welpenfutter) und ein zu hoher Calziumwert die OCD verschlimmert. Eine Operation, bei der die Knorpelschicht abgekratzt wird ist notwendig, führt aber nicht immer zur Heilung.
• FPC
Fragmentierter Processus Coronoideus medialis, auch gebrochener innerer Kronfortsatzgenannt.
An der Innenseite des Ellenbogens befindet sich an der Elle ein kleines Knochenstück, welches den Namen Processus Coronoideus trägt. Wenn dieses während der Wachstumsphase nicht richtig verknöchert, bleibt es instabil und kann leicht abbrechen. Die abgelösten Stücke liegen dann lose im Gelenk und verursachen einen Verschleiß im Gelenk ([[Arthrose]]). Die Hälfte aller betroffenen Hunde sind hiervon beidseitig betroffen.
• IPA
Isolierter Processus Anconaeus. Hierbei ist der Krümmungsfortsatz des Ellenbogenhöckers lose.
Dies ist die Abtrennung des Krümmungsfortsatzes des Ellenbogens. Er ist nur mit Knorpel am Knochen verbunden und somit an dieser Stelle gegen mechanische Einwirkung geschwächt. Der Processus Anconaeus kann abreißen. In 30 Prozent aller Fälle kommt dies beidseitig vor. Der abgelöste PA muss dann operativ entfernt werden.
• Gestörtes Längenwachstum
Hierbei ist das Längenwachstum von Elle und Speiche gestört. Die Teile passen nicht mehr aufeinander und es entsteht eine Stufe. Dieser Zustand kann sich beim Hund im Wachstum normalisieren, beim erwachsenen Hund muss er behandelt werden.
Alle diese vier Abweichungen werden unter dem Kürzel ED zusammengefasst. Der betroffene Hund kann an einer der vier Missbildungen leiden, aber diese können auch in Kombination auftreten. Die meisten Tiere erkranken in einem Alter zwischen 4 bis 8 Monaten. Typisch hierfür sind starke Lahmheiten, auch Fehlstellungen der Gliedmaßen können vorkommen. Die Hunde haben starke Schmerzen und bewegen sich so wenig wie möglich. Schwierig ist die genaue Diagnose, weil es zwischen den verschiedenen Erkrankungen nur geringfügige Unterschiede gibt. Es sollten qualitativ sehr hochwertige Röntgenaufnahmen von einem darauf spezialisiertem Tierarzt gemacht werden.
Schweregrade der ED
ED wird in vier verschiedene Kategorien eingeteilt:
• ED 0 keine ED
• ED 1 leichte ED
• ED2 mittelschwere ED
• ED 3 schwere ED
Ausschluss von der Zucht
Im LCD sind nur Hunde mit dem Befund ED 0 und ED 1 zur Zucht zugelassen. ED ist vererblich, allerdings gibt es noch keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, wie genau sich die ED vererbt.
Hüftgelenkdysplasie
Die HD ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der der Oberschenkelkopf und die Hüftgelenkspfanne nicht aufeinander abgestimmt sind. Die HD ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Die Anlage zu ihrer Entstehung ist schon bei der Geburt vorhanden. Sie entwickelt sich dann während der Wachstumsphase des Skelettes.
Aber auch Haltungsbedingungen oder Ernährung können den Verlauf der HD beeinflussen. Schon seit langem ist bekannt, dass zu eiweißreiche und zu energiehaltige Ernährung einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des dysplastischen Hüftgelenks hat. Hierbei ist zu betonen, dass dies nur für Tiere gilt, bei denen eine erbliche Disposition zur HD vorhanden ist.
Ist der Oberschenkelkopf nicht fest in der Pfanne verankert, kommt es zu einer Instabilität im Hüftgelenk. Dadurch entstehen Fehlbelastungen an den Gelenkflächen mit lokaler Überbelastung der Gelenkpfanne. Die Folgen sind dann eine Degeneration des Gelenkknorpels, der sich bis zum völligen Schwund abreiben kann. In der Gelenkkapsel entstehen Entzündungen. Ein arthrotischer Prozess ist demnach immer ein Hinweis auf ein nicht korrekt geformtes Hüftgelenk. Eine HD kann für den Hund sehr schmerzhaft sein und in schweren Fällen auch schon in der Wachstumsphase zu Lahmheiten oder Nachhandschwäche führen. Mittelgroße und große Rassen sind besonders betroffen.
Eine HD kann sehr unterschiedlich behandelt werden. Operative und konservative Therapien, aber auch alternative Behandlungen können angewandt werden. Die Symptome einer HD sind:
• Schmerzen- beim Aufstehen, bei Berührung oder Belastung
• Lahmheit
• Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen
• Sinkende Belastbarkeit
• „Kaninchenhoppeln“, d.h. gleichzeitiges Aufkommen mit beiden Hinterbeinen beim Laufen.
• Verkürzte Schrittlänge und schwankender Gang
• Asymetrisches Becken
• Eingeschränkte Streckung und Auswärtsziehen des Hüftgelenks
• Verspannter [[Pectineus]]muskel (Muskel an der Innenseite des Oberschenkels)
Besteht der Verdacht auf HD, muss der Hund geröntgt werden. Dies muss unter Vollnarkose geschehen, da nur so ist eine optimale Lagerung des Beckens für die Aufnahme möglich ist. Die Beurteilung einer HD erfolgt nach Prüfung und Bewertung einer Vielzahl von Kriterien, die sinnvollerweise nach einem bestimmten Schema von dem Tierarzt zu bewerten sind. Zu Anfang erfolgt eine kritische Beurteilung der Lagerung des zu untersuchenden Hundes bei der Röntgenaufnahme.
Bei der Beurteilung spielen folgenden Kriterien eine große Rolle:
• Das Becken soll gleichmäßig (symmetrisch) dargestellt sein.
• Die Gelenkpfanne soll tief angelegt sein.
Dagegen stellt eine flache Pfanne einen schweren Fehler dar, hier fehlt die umgreifende Bettung des Oberschenkelkopfs.
• Der vordere Pfannenrand soll sich konturiert zeigen.
Eventuelle Auflagerungen und Unschärfen deuten auf einen Versuch des Organismus hin, dem Hüftgelenk eine breitere und somit tragfähigere Basis zu schaffen.
• Die vordere Pfannenkontur sollte rund auslaufen, sich also in dem Oberschenkelkopf als Lagerfläche anbieten.
Eine Abflachung nach vorne verringert die Auflagefläche mehr oder weniger stark.
Nach der Betrachtung der Gelenkpfanne ist der Oberschenkelkopf zu beurteilen. In der Idealform ist er kugelförmig, in Größe und(s) Gestalt sich der Pfanne anpassend. Hier kommen häufig Abweichungen vor. Die Oberschenkelköpfe können sich abgeflacht, eckig, pilzförmig oder größenmäßig unpassend darstellen. Durch solche Missbildungen kommt es zu einem unkorrekten Sitz des Kopfes in der Pfanne. Das Gelenk kann dadurch zu lose, der Oberschenkelkopf subluxiert oder sogar luxiert (aus der Pfanne herausgesprungen) sein.
Schweregrade der HD
Im LCD werden die HD folgendermaßen eingeteilt:
• A1 und A2
Hier ist die Pfanne tief, der Oberschenkelkopf und die Gelenkpfanne zeigen sich passend zueinander. Auflagerungen dürfen weder am Pfannenrand noch am Oberschenkelhals zu erkennen sein.
• B1 und B2
Es sind kleine Unregelmäßigkeiten am Kopf oder an der Pfanne sichtbar. Die Unschärfen dürfen nur sehr geringe Ausmaße annehmen.
• C1 und C2
Die Abweichungen von der Norm sind hier schon deutlicher zu erkennen. Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind nicht zu einander passend (inkongruent).Oftmals besteht eine Abflachung der Pfannenkontur nach außen. Es können auch geringe Auflagerungen am vorderen Pfannenrand erkennbar sein. Der Gelenkspalt weicht von einander ab (divergiert).
• D1 und D2
Die Hüfte weißt schon gravierende Mängel auf. Die Pfanne ist oft flach und zeigt deutlich arthrotische Veränderungen. Der Oberschenkelkopf ist eventuell nicht rund und der Gelenkspalt weicht deutlich von einander ab. Der Oberschenkelhals hat oft walzenförmige Gestalt und zeigt sich manchmal verkürzt.
• E1 und E2
Diese schwere HD steht für deutlich dysplastische Veränderungen des gesamten Gelenkes. Ein deformierter Oberschenkelkopf kann bei einer flachen Pfanne voll-luxiert (ganz aus der Pfanne herausgerutscht) sein. Arthrotische Veränderungen und Anlagerungen sind unübersehbar vorhanden.
Ausschluss von der Zucht
Zur Zucht zugelassen werden im LCD nur Tiere, die einen HD Grad bis C2 aufweisen. Hunde mit D- und E-Hüften werden nicht zur Zucht zugelassen.
Progressive Retina Atrophie (PRA)
Die PRA ist eine vererbbare Augenerkrankung der [[Netzhaut]] (Retina) bei Hunden, die kontinuierlich fortschreitet und im Endstadium immer zur Blindheit führt. Die Netzhaut befindet sich auf der Innenseite des hinteren Augapfels und enthält die Sehsinneszellen. Die Krankheitssymptome sind bei allen Hunderassen gleich. Zu Beginn der Erkrankung ist bei den betroffenen Hunden [[Nachtblindheit]] und der Verlust der Anpassung des Sehvermögens an das Dämmerlicht erkennbar. Im weiteren Verlauf zeigen sich Seheinschränkungen auch bei Tageslicht. Der Hund verhält sich in seiner normalen Umwelt zunehmend unsicherer. Zur gleichen Zeit kommt es zur Erweiterung der [[Pupille]]n, verursacht durch eine verstärkte Lichtreflexion der reduzierten Retina im Innern der Augen. Oft verändert sich zusätzlich die Augenlinse, sie wird trübe und undurchsichtig. Es entsteht ein [[Katarakt]].
Die Diagnose „gPRA“ wird durch eine augenärztliche Untersuchung gestellt. Der Tierarzt erweitert dem Hund mit Augentropfen die Pupillen und untersucht mit einem speziellen augenärztlichen Instrument die Netzhaut.
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, durch eine Blutuntersuchung herauszufinden, ob ein Hund Träger von defekten Gen-Kopien ist.
Abstufungen der PRA
Hierbei wird unterschieden in:
• Optigen Clear bedeutet kein Träger einer defekten Gen-Kopie
• Optigen Carrier bedeutet, der Hund ist Träger einer defekten Gen-Kopie, wird aber nicht erkranken, weil er nur eine defekte Gen-Kopie trägt.
• Optigen Affected bedeutet, der Hund hat zwei defekte Gen-Kopien von Vater und Mutter erhalten und wird an PRA erkranken.
PRA ist eine [[autosomal]] [[rezessiv]] vererbte Erkrankung. Das heißt, dass ein erkrankter Welpe eine defekte Gen-Kopie vom Vater und eine defekte Gen-Kopie von der Mutter erhalten haben muss, also beide Elternteile eines erkrankten Hundes zwei defekte Gen-Kopien tragen oder selbst an PRA erkrankt sind. Da erkrankte Hunde zwei defekte Gen-Kopien besitzen sind alle Nachkommen eines an PRA erkrankten Hundes wiederum Träger einer defekten Gen-Kopie.
Ausschluss von der Zucht
Im LCD sind nur Hunde mit „Optigen Clear“ und mit „Optigen Carrier“ zur Zucht zugelassen. Hunde mit Optigen „Carrier“ dürfen nur mit Hunden „Optigen Clear“ verpaart werden. Nachkommen aus solchen Verbindungen können also selbst nur wieder „Optigen Clear“ oder „Optigen Carrier“ sein, werden also niemals an PRA erkranken.
Centronuclear Myopathy
Die Erbliche Myopathie beim Labrador Retriever wurde erstmals vor 25 Jahren in den USA beschrieben. Muskel[[biopsie]]n betroffener Hunde zeigen folgendes Bild: Ein großer Teil der Skelettmuskeln sind zerstört, zerklüftet oder verkleinert, andere sind übergroß, das stützende Bindegewebe ist vermehrt. Auffallend ist ein Mangel an Typ-2-Myofibrillen, die für ausdauernde Muskeltätigkeit nötig sind, sowie ein sehr hohes Vorkommen von atropischen oder hypertrothischen Typ-1-Myofibrillen. Histopathologisch ist eine Zentralisierung der Zellkerne innerhalb der Muskelzellen charakteristisch. Das geschieht oft zusammen mit einer Aggegation von [[Mitochondrien]] in Bereichen ohne Myofibrillen.
Der erkrankte Hund zeigt die Symptome einer [[Hypotonie]], generalisierte Muskelschwäche, eine abnorme Haltung und einen steifen Gang. Er ist nur schwach belastbar und kollabiert schnell. Unter Belastung tritt Muskelatrophie auf, die teilweise auch die Kopfmuskeln betrifft. Erste Symptome werden im Alter von 6 Wochen bis 7 Monaten sichtbar.
Die Erbliche Myopathie beim Labrador Retriever wird im gegensatz zur X-chromosomal rezessiven Muskele[[dystrophie]] beim Golden Retriever [[autosomal]] [[rezessiv]] vererbt. Das heißt, dass nur ein Hund erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat. Es müssten also beide Elternteile das kranke Gen tragen. So genannte Träger, das heißt Tiere die nur ein betroffenes [[Gen]] aufweisen, können selbst nicht erkranken, geben aber die Erbanlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % an ihre nachkommen weiter.
Heute ist es möglich und sinnvoll, bei Hunden, die zur Zucht eingesetzt werden sollen, einen [[DNA]] Test über Blut vor dem Zuchteinsatz zu machen.
Parvovirose
Erreger
Parvoviren (Canines Parvovirus CPV-2) sind die Erreger dieser Krankheit.
Die Parvovirose wird gelegentlich als "Katzenseuche der Hunde" bezeichnet, da die Erreger und die Krankheitssyptome eng verwand sind. Es wird angenommen, dass dieser Virus die Artenbarriere übersprang und durch Mutation der Auslöser der Katzenseuche sowie der infektiösen Panleukopenie der Marderartigen war.
Infektion
Die Ansteckung erfolgt fäkal-oral durch virushaltigen Kot bzw. durch anhaftenden Viren an Gegenständen. Äußerst problematisch ist die Tatsache, dass die Erreger extrem langlebig sind und über Monate in der Umwelt infektiös bleiben. Sie sind resistent gegenüber Umwelteinflüssen (Hitze, Kälte, Desinfektionsmittel).
Die Inkubationszeit beträgt zwischen 3 und 7 Tagen.
Krankheitsbild
Darmentzündung mit meist blutigem Durchfall und Erbrechen. Infolge dessen, massive Austrocknung und Abgeschlagenheit.
Untertemperatur oder Fieber.
Bei Welpen können ganze Würfe erkranken. Erkrankungsrate ist besonders hoch bei ungenügend oder ungeimpften Welpen und Junghunden bis zu einem Alter von 6 Monaten.
Erkrankte Hunde müssen sofort in tierärztlich Intensivbehandlung.
Da es praktisch keine Medikamente gegen diesen Erreger gibt, kommt es sehr häufig vor allem bei jüngeren Hunden zum tödlichen Verlauf. Überlebende Hunde, können dauerhafte Herzschäden davontragen.
Impfung
Hunde sollten jederzeit einen Impfschutz aufweisen, vor allem bei Reisen ist eine Wiederholungsimpfung angezeigt.
Zuchthündinnen sollen hohe [[maternale]] Antikörper-Titer an die Welpen weitergeben und verlangen daher eine optimierte Immunität, ggf. durch Wiederholungsimpfungen vor dem Belegen.



